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Warum beten Wieder sagte eine Frau, als es darum ging, eine Auswertung in einem Gemeinderaum der evangelischen Kirche zu machen: “Aber nur, wenn ich da nicht beten muss!” Als ob man Vertrauen, Liebe, Hoffnung und das Flüstern der Liebessehnsucht befehlen oder erzwingen könnte. Gebet ist kein Zwang, sondern mehr ein Innewerden, ein Sich-Öffnen, ein Nach- und Vordenken, eine Möglichkeit. Wir müssen wirklich nicht, aber wir können beten: Denn wir dürfen versuchen auf mehr zu vertrauen als auf das Sichtbare und die scheinbaren Sicherheiten, auf die wir sonst bauen müssten: In Stille und/oder Konzentration können wir uns Gott, der Wahrheit, der Liebe, dem Lebendigen und Tragfähigen, dem Grund und Ziel unseres Lebens nähern. bitten: "Wenn wir nicht alles bekommen, was wir gern haben wollen, sollten wir bedenken, dass wir ja auch nicht alles bekommen, was wir verdienen." (H.-D. Hüsch, Kabarettist) Wir dürfen und sollen Gott um das bitten, was wirklich wichtig ist für uns und für andere. danken: Dank hat mit Denken, mit Gedächtnis und Erinnerung zu tun: “Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.” (Psalm 103,2). Dankbarkeit ist auch Denkarbeit. Dankbarkeit nimmt das an, was so und nicht anders geschehen ist, und hält sich nicht mit Konjunktiven auf (wäre, hätte, könnte anders gewesen sein, wenn...). Sie macht uns fähig zu entdecken, welche Chancen jetzt gegeben sind. Und sie setzt alles daran, dass nicht die bösen Möglichkeiten wirklich werden, sondern die, die das Leben und die Liebe erhalten. Beispiel: Dankgebet bei der Danke-Party der Evang. Jugendarbeit Barnim am heißen 06.07.2001 in Klosterfelde: Heute wollen wir mal nicht klagen, nur danke sagen und auf Gottes Nähe hoffen. Danke für den Gesang und den Einsatz der beiden Chöre. Danke für die schöne Zeit hier und die Kühle in der Kirche. Danke für jedes noch so kleine Ehrenamt, für die Zeit, die Ideen und die Kraft, die Ehrenamtliche einsetzen. Danke, dass so viele Ehrenamtliche andere und so auch sich selbst wirklich reicher machen. Danke für die vielfältigen Beiträge Ehrenamtlicher zur Kinder- und Jugendarbeit. Danke für Menschen, die ihre Berufstätigkeit nicht als Job, sondern als Dienst am Nächsten, als Aufgabe annehmen. Danke für die Menschen, die im letzten Jahr gestorben sind, die uns geprägt und unser Leben reicher gemacht haben. Danke auch für die Zeit der Trauer, für die Erinnerung, für die Hoffnung und das bewusstere Leben seitdem. Danke, o Gott, dass wir danken und auch mit Problemen zu dir und zu Menschen kommen können. Danke: Der Himmel ist ein wundervoller Ort, wo sie sich alle treffen: unsere Sehnsucht nach vollem und sinnvollem Leben, unsere Vision von der Einen Welt - ohne Hunger und Krieg, auch unsere Hoffnung darauf, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Danke, dass der Himmel nicht nur jenseits, sondern mitten im Diesseits zwischen uns erlebbar sein kann. Danke für die Kinder und Jugendlichen, denen wir begegnen, für ihre Spontaneität, für ihren Gerechtigkeitssinn, ihr ehrliches Suchen. Danke für den Sommer, für die Wärme, für die Gemeinschaft heute Abend. Ja, Danke für dieses alles und noch viel mehr. Amen. Gesprayt an eine Hauswand in Santiago de Chile: Senor! Gib Brot denen, die Hunger haben. Gib Hunger nach Gerechtigkeit denen, die Brot haben. Wie aus Körnern, das Brot, aus den Trauben der Wein geworden ist, so mache aus uns eine Gemeinschaft, ein Zeichen des Friedens für diese Welt. (jüdisches Tischgebet) Wir können dankbar sein für das Essen - selbstverständlich ist es nicht. Wir können dankbar sein für die Tischgemeinschaft. Sagt es und lasst es jede und jeden spüren: Gut, dass du hier bist! Lasst uns einander die Hände reichen und uns wünschen: Schalom und "Guten Appetit!" Die einen haben Brot, die anderen nicht. Gott segne die Veränderung und unsere Bereitschaft dazu. Wir können einen Moment stille werden: Millionen Jahre waren, ehe es mich gab. Jahrmillionen werden vielleicht nach mir sein. Irgendwo in ihrer Mitte sind ein paar Sommer, in denen für mich Tag ist auf dieser Erde. Für diese Spanne Zeit danke ich dir, Gott. Gebet der Vereinten Nationen: Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen sind in sinnloser Trennung, nicht eingeteilt in "bessere und schlechtere", nicht aufgehetzt gegeneinander. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Weg zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen der Menschen tragen. Schöpfer der Welt, immer bist du bei mir. Du nimmst Wohnung in meinem Geist Und lebst innen in mir. Du, der das All umgreift. Taya Manavar, ein Hindu, 1705 - 1742 Gott der Freude. Du allein bist die Quelle des Gesanges, im Himmel wird das Lied geboren. Ein aztekischer Sänger, altindianisch ( 14. Jahrhundert) Mahatma Gandhi ... Er habe versucht, mit Christen zu beten, schrieb Gandhi einmal, aber das sei ihm völlig missraten: Die Christen bettelten Gott an, er konnte das nicht. Nun glaubte Gandhi auch nicht an den Gott, zu dem wir "Vater" sagen. Religion war für ihn mehr Lebenshaltung als Glauben. Aber mir hat sein harsches Urteil zu denken gegeben. Es stimmt ja, Beziehung zu Gott nehmen wir hauptsächlich dann auf, wenn es was zu bitten gibt. Für Gandhi dagegen ist "das Beten so unentbehrlich für die Seele wie Nahrung für den Körper" - sein ganzes Denken ein Gespräch mit dem Ewigen. (aus "Wort zur Woche" von Angelika Obert, in "Die Kirche", 04.11.01) |