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Diese Angewiesenheit der männlichen Jugendlichen auf "starke männliche Idealfiguren, und zwar solche, die sie in einen realen historisch-politischen Zusammenhang stellen können ..., (angefangen beim harten, tapferen Wehrmachtssoldaten bis hin zum Faszinosum Hitler) können verstanden werden als Versuch, sich eine ,symbolische Genealogie' (Abstammung) zu verschaffen, symbolische Ahnen als deren Abkömmling zu sein, die einen stolz machen kann." In diesem Zusammenhang scheint es sinnvoll der Frage nachzugehen, welches im einzelnen die Bedingungen sind, unter denen männliche Jugendliche lernen, Konflikte mit aggressiver Dominanztechnik auszutragen? Welche Bedingungen lassen den Kämpfer wieder zum Vorbild werden? Welche Rolle spielen dabei Autoritäten, und welche der Wunsch sich unterzuordnen? Wie haben rechte Jugendliche gelernt, mit ihren Gefühlen umzugehen? Und in welcher Weise haben sie gelernt, sich über Gefühle auszudrücken? Schließlich: Welche Erfahrungen haben sie hinsichtlich Enttäuschungen machen müssen? Auf solche Fragestellungen hin sind Antworten zu erwarten, die Erscheinungsformen nicht einem Theoriekonstrukt wie der These von der Individualisierung unterordnen, sondern die darauf abzielen, soziale Situationen im Hinblick auf die darin zum Ausdruck kommenden Regeln und Regelverletzungen zu entfalten: Wann werden Lebensbedingungen als einschränkend und überfordernd, und damit als beängstigend erfahren? Für die ehemalige DDR ist die These entwickelt und durch die Publikationen von Hans-Joachim Maaz popularisiert worden, daß sich, als Folge der Gängelung durch Partei und Staat, die unterdrückte Aggressivität nun in Fremdenfeindlichkeit und Haß gegen Minderheiten entlade. - Allerdings hat es schon zu DDR-Zeiten dort rechtsradikale Bewegungen gegeben, die sich gleichsam als Gegenströmung zum propagierten Antifaschismus entwickelten, wie Korfes das in seinem Aufsatz aus dem Jahre 1992 beschreibt. Zwar sind die entstehenden Zirkel immer wieder zerschlagen worden, indessen läßt sich aber auch eine gewisse Toleranz diesen Strömungen gegenüber nachweisen, denn man befürchtete, daß diese Gruppierungen bei einer offenen Auseinandersetzung dem Bild vom antifaschistischen Arbeiter- und Bauernstaat geschadet hätten. In seinem Aufsatz aus dem Jahre 1993 liefert Maaz unter dem Titel "Gewalt in Deutschland - Eine psychologische Analyse" auch eine Ost- und Westdeutschland überspannende Sicht auf den familiären und gesellschaftlichen Hintergrund der Gewalt. Er schreibt da: "Wir brauchen uns nur das Verhalten der rechtsextremen Jugendlichen genauer anzusehen. Sie suchen die Gemeinschaft, sie wollen die straffe Führung und huldigen einem Stärkekult, und sie reagieren sich gewalttätig ab. Sie gebärden sich militant, Ordnung, Disziplin und Gehorsam stehen als Wert hoch im Kurs. Da sie ihre Überzeugungen und Haltungen vor allem destruktiv austragen, ist der Abwehrcharakter dieses Verhaltens sehr naheliegend, was sich in Einzelfallanalysen auch bestätigen läßt. In der Gemeinschaft soll die ,Heimatlosigkeit' kompensiert werden, durch die Zurschaustellung von Stärke soll die innere Ohnmacht, sollen Angst und Kränkung verborgen werden, Disziplin und Ordnung sollen dem inneren Chaos einen Halt geben, und mit der Gewalt werden die Beziehungen so gestört und belastet, wie diese Jugendlichen es schon immer erfahren mußten - auf diese Weise wird die im tiefsten Innern ersehnte, aber ebenso befürchtete menschliche Nähe am sichersten verhindert. Wirkliche Freundlichkeit würde die stets erfahrene Unfreundlichkeit erst richtig bewußt werden lassen. Das fordert auch von jeder denkbaren Sozialarbeit eine riesige Anstrengung, denn angebotene Herzlichkeit und Nähe kann nicht ohne weiteres als eine befreiende Erfahrung angenommen werden, sondern wird zunächst als Bedrohung der bisherigen mühevollen Abwehr erlebt: Menschen, die in unglücklichen, meist gewalttätigen Verhältnissen aufgewachsen sind, werden durch bessere Lebensbedingungen erst recht an ihre früheren Verletzungen erinnert. Die ausgeübte Gewalt bringt an den Tag, was diese Menschen selbst erleben mußten, sie sichert durch Gegengewalt die bekannte und erwartete Ablehnung und Bestrafung, und zugleich schreit darin die verzweifelte Hoffnung auf, doch noch bessere Verhältnisse zu erreichen: Aufmerksamkeit, Verständnis, Annahme, Sicherheit." |